Prof. Dr. Susanne Gebhard ist Professorin für Molekulare Biotechnologie an der JGU. Sie ist fasziniert von Bakterien und forscht gemeinsam mit ihrer Arbeitsgruppe zu deren Anwendungsmöglichkeiten bei Antibiotikaresistenz und in der Entwicklung nachhaltiger Baumaterialien. In ihrer Freizeit tauscht sie das Labor gerne gegen die Natur und ist mit ihrem Pferd unterwegs, wandert oder gärtnert – egal bei welchem Wetter!

Geboren 1976 in Karlsruhe

Hallo, ich bin Susanne. Ich bin seit 2023 Professorin an der JGU in Mainz und war davor so ziemlich überall in der Welt unterwegs. Nach dem Studium in Kiel folgte die Promotion sowie die erste Anstellung als Postdoc in Neuseeland. Danach arbeitete ich erneut als Postdoc in einer Nachwuchsgruppe in München, wonach endlich eine Festanstellung an einer Uni (Bath, Großbritannien) folgte. Ich bin fasziniert von Bakterien und was wir mit ihrer Hilfe alles erreichen können.

Während ich mich bei der Arbeit im Labor mit kleinsten Mikroorganismen beschäftige, habe ich in meiner Freizeit lieber größere Tiere um mich herum. Ich habe ein Pferd und eine Katze, und verbringe so viel von meiner Freizeit wie möglich im Freien: reiten, wandern, gärtnern. Das Wetter muss dabei nicht immer schön sein!

  • 1996 Abitur
  • 2003 Hochschulabschluss
  • 2006 Promotion
  • 2014 Habilitation
  • Eine Festanstellung in Forschung und Lehre an einer Universität
  • Bewilligung meines ersten eigenen Forschungsprojekts
  • Erfolge meiner tollen Student:innen und Postdocs
  • Deutsch
  • Englisch
  • Französisch (reicht gerade, um Essen zu bestellen)
  • Latein (theoretisch, das meiste habe ich vergessen)

Egal, wie klein eine Lebensform wird, am Ende geht es doch immer nur darum, genügend Platz und einen Anteil der limitierten Ressourcen zu bekommen, auch bei Bakterien.

Lustigerweise war meine Antwort auf die Frage „Was willst du mal werden, wenn du groß bist“ als ich etwa 10 Jahre alt war, immer „Tierforscherin“. Das hatte ich dann zwischenzeitlich etwas aus den Augen verloren und es fiel mir erst wieder ein, als ich mit dem Biologiestudium schon fertig war. An Tieren forsche ich zwar heute nicht, aber ich glaube, die Wissenschaftlerin hat schon immer in mir gesteckt.

Es gab immer mal wieder Punkte, an denen ich frustriert war, weil es nicht weiterzugehen schien oder ich das Gefühl hatte, es werden mir unnötige Stöcke in den Weg gelegt. Es hat dann immer geholfen, mit Leuten zu reden, denen ich vertraue, aber auch immer im Blick zu behalten, wo ich eigentlich hin will und was ich erreichen möchte. Die Lösung war dann immer ein Schritt zur Seite anstatt mit dem Kopf durch die Wand.

Der Arbeitsalltag an einer Uni ist unglaublich divers. Es gibt sehr viele E-Mails und Anfragen von Studierenden zur Lehre, Praktika oder Karriereberatung oder meine Labormitglieder kommen mit neuen Ergebnissen, Fragen (zu allen möglichen Themen – nicht nur wissenschaftlichen) oder Problemen zu mir. Oft brauchen auch die Kolleg:innen etwas von mir oder es melden sich Kooperationspartner:innen oder Wissenschaftler:innen, die man noch nicht kennt und es gibt immer sehr viel zu organisieren, damit alles läuft. Das Highlight sind dabei alle Formen von wissenschaftlicher Diskussion mit tollen Leuten – ob das Studierende oder meine Kooperationspartner:innen sind, ist dabei egal. Etwas weniger Bürokram und Formalitäten wären ganz schön.

Das kommt ganz darauf an, um was es geht. Aber meistens sind es schon so 3-4 Jahre. Zum Glück besteht so ein Projekt aber aus vielen einzelnen Experimenten, die nachher zum Gesamtergebnis beitragen, also bekommt man immer wieder kleine Erfolgserlebnisse. Das Gefühl, wenn es am Ende geklappt hat und man etwas Tolles herausgefunden hat, ist der Grund, warum man als Wissenschaftlerin morgens aufsteht. Besonders schön ist es, wenn die Doktorand:innen oder Postdocs, die die ganze Arbeit gemacht haben, ihren Erfolg feiern können.

Wir haben zwei Forschungsthemen. Das eine ist Antibiotikaresistenz. Davon hört man ja aktuell ziemlich viel. Wir interessieren uns dafür, wie die Bakterien Antibiotika wahrnehmen und darauf reagieren. Wenn wir die Prozesse verstehen, kann man vielleicht Antibiotika besser so einsetzen, dass Resistenz vermieden wird, oder man kann neue Medikamente entwickeln, die die Resistenz blockieren.

Im zweiten Projekt untersuchen wir, wie Bakterien Mineralien bilden können, vor allem Calcit, aus dem Kalkstein besteht. Die Idee ist hier, dass man vielleicht Bakterien verwenden könnte, um weniger Zement für Betonkonstruktionen verwenden zu müssen, weil das so einen großen Anteil an den CO2-Emissionen ausmacht. Beton sieht man ja überall, vielleicht sind da in einigen Jahren Bakterien dabei, die ihn besser und umweltfreundlicher machen.

Den Friedensnobelpreis zu erhalten für Forschung, die den Selbstwertfriedlichen gesellschaftlichen Zusammenlebens trotz kritischer Zukünfte und Ressourcenknappheit so verständlich in die Gesellschaft kommuniziert, dass es Effizienz- und Profitstreben übertönt. Aber das ist utopisches Denken.

Hier, in Mainz, mit einer etwas größeren Arbeitsgruppe als jetzt (wir sind gerade noch im Aufbau!), mit ein paar spannenden Forschungsprojekten, Kooperationen mit netten Kolleg:innen und externen Partner:innen, und mit genug Zeit zum Reisen, die wunderschöne Umgebung hier zu erwandern oder mit einem guten Glas Wein auf dem Balkon zu sitzen.

Ich denke, es ist eine gute Zeit, über eine Karriere in den MINT-Wissenschaften nachzudenken. Ohne diese Fachgebiete, werden wir die aktuellen Herausforderungen nicht meistern können. Die größten Herausforderungen sehe ich darin, wie lange es dauert, bis man da ankommt, wo man hinwill, also Studium, Promotion, Postdoc-Zeit etc. – zumindest, wenn man in einer leitenden Rolle arbeiten will. Da braucht man einfach Geduld und ein gewisses Maß an Sturheit. Aber es macht auch unglaublich viel Spaß – und wenn man mag, kann man das Ganze sehr flexibel und international betreiben. Es gibt aber mehr und mehr tolle Möglichkeiten, auch ohne so viel Ausbildungszeit Wissenschaftler:in zu werden, da gerade in der Biotechnologie so ein Boom herrscht und man in vielen verschiedenen Rollen tätig sein kann.