Prof. Dr. Carla Schmidt ist Professorin für Biochemie an der JGU und begeistert sich für die Massenspektrometrie. Diese nutzt sie, um Proteinkomplexe und ihre Interaktionen zu analysieren. Die Massenspektrometrie ist dabei ein vielseitiges Verfahren mit der Mainzer Wissenschaftler*innen sogar anhand der Atemluft schon Rückschlüsse auf die Stimmung in Kinosälen schließen konnten. Wenn sie mal eine Auszeit von der Arbeit im Labor braucht, häkelt die Biochemikerin gerne Spielzeugpuppen. Zu ihren Meisterstücken gehören Coco Chanel, die Queen oder auch Ernie & Bert.
Geboren 1981 in Wolfenbüttel
Hallo, ich bin Carla. Ich bin seit Kurzem Professorin für Biochemie an der JGU. Vorher war ich Juniorprofessorin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Postdoktorandin in Oxford. Ich bin fasziniert von der Massenspektrometrie und nutze sie, um Proteinkomplexe und ihre Interaktionen zu analysieren. Ich interessiere mich besonders für die Interaktionen, welche während der Signalweiterleitung in Neuronen ausgebildet werden.
In meiner Freizeit häkle ich gerne und viel, z.B. Spielzeugpuppen, welche sich auch gut auf Doktorhüten machen… Zu meinen Meisterstücken gehören Coco Chanel, die Queen oder auch Ernie & Bert – alles wird grundsätzlich verschenkt.
- 2001 Abitur
- 2006 Hochschulabschluss
- 2010 Promotion
- Berufung zur Professorin
- Zu sehen, dass meine ersten Doktorand:innen fertig werden
- Mein erstes großes Paper als PI
- Organisation einer Summerschool (2007-2012)
- Mentoring für Doktorand:innen und junge Postdoktorand:innen
- Workshops für Doktorand:innen/Postdoktorand:innen auf Konferenzen und Summer Schools
- Deutsche Gesellschaft für Massenspektrometrie
- American Society of Mass Spectrometry
- Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie
- Deutsch
- Englisch
- Französisch (Grundkenntnisse)
- Schwedisch (bessere Grundkenntnisse)
Wissenschaftler:innen aus Mainz haben die Massenspektrometrie genutzt, um die Luft in Kinosälen zu analysieren. Sie haben herausgefunden, dass jeder Film ein charakteristisches Muster in der Atemluft hervorruft. So konnten selbst einzelne Filmszenen anhand der Atemluft als spannend, lustig oder langweilig deklariert werden. Die Massenspektrometrie ist eben eine spannende und vielseitige Technik!
Eigentlich wollte ich Musik studieren, aber ich wollte nicht permanent um meine Stellung kämpfen müssen. Deshalb habe ich das gemacht, was mich auch interessiert hat. Dass es in der Wissenschaft auch nicht so leicht ist, habe ich damals noch nicht gewusst. Die größte Hürde – neben einigen anderen – war die Förderung für meine eigene Gruppe zu bekommen. Das ist in Deutschland nicht leicht, da es nicht viele Stellen gibt. Wenn man dann auch noch Massenspektrometrie (eine relativ teure Methode) machen will, wird es umso schwerer. Die größte Hilfe habe ich von meinen Mentor:innen bekommen, die mich tatkräftig unterstützt haben, mein eigenes Labor aufzubauen.
Nach dem Studium war für uns alle klar, dass es ohne Doktortitel nicht so richtig weitergeht. Zu Beginn meiner Doktorarbeit hatte ich noch keine konkreten Berufspläne, allerdings habe ich gemerkt, dass mir die Wissenschaft sehr viel Spaß macht. Mein Doktorvater hat mich ermutigt, in der Wissenschaft zu bleiben und mir auf meinem Weg (bis heute) sehr geholfen.
Ich liebe meinen Beruf und ich glaube fest daran, dass ich etwas beitragen kann. Deshalb lasse ich mich nicht unterkriegen und versuche, wenn ich an einem Tiefpunkt angekommen bin, einfach weiterhin das zu tun, was mir Spaß macht. Trotzdem überdenke ich Kritik in einer ruhigen Minute genau und versuche dann einen anderen (verbesserten?) Weg zu nehmen, um das Ziel zu erreichen.
In meinem ersten Paper als Postdoktorandin habe ich eine Methodik etabliert, von der viele dachten, dass sie so nicht funktionieren würde. Dass es dann doch geklappt hat, war ein großer Erfolg. Diese Ergebnisse dann auf der größten Massenspektrometrie-Tagung vor mehreren hundert Teilnehmer:innen vorzustellen war definitiv ein Highlight.
Mein Arbeitstag ist sehr vielfältig: Lehre, Projektanträge, Manuskripte, Gutachten und Administratives… am meisten Spaß macht es mir mit meinen Mitarbeiter:innen Ergebnisse und mögliche Projekte zu diskutieren. Dabei ergeben sich immer viele neue und spannende Fragen. Außerdem macht es mir Spaß Paper zu schreiben – das ist meine Leidenschaft. Nicht so viel Spaß machen mir die administrativen Aufgaben.
Leider dauert alles sehr lange. Rein theoretisch können wir ein Experiment in ein paar Minuten durchführen, allerdings werfen die richtig spannenden Experimente immer neue Fragen auf und man hat danach mehr offene Fragen als vorher. Ein wirklich spannendes Projekt dauert geschätzt mindestens ein Jahr. Die Ergebnisse in einem guten Manuskript zusammenzufassen dauert dann auch nochmal einige Zeit – allerdings ist das alles nicht so schlimm, wenn man das Gefühl hat, dass man etwas Großes herausgefunden hat. Die Anspannung bleibt jedoch bestehen, bis man weiß, wie die Ergebnisse von Gutachter:innen und Kolleg:innen aufgenommen werden.
Im Alltag kann man unsere Forschungsergebnisse zunächst einmal nicht erleben. Allerdings versuchen wir aufzuklären, wie genau die Signalweiterleitung in Neuronen funktioniert. Mit diesen Erkenntnissen kann man biochemische Vorgänge und damit auch Krankheiten besser verstehen und vielleicht eines Tages sogar heilen.
Zu zeigen, dass die Massenspektrometrie einen großen Beitrag in der Strukturbiologie leisten kann. Sie hat nämlich im Vergleich zu anderen Methoden sehr viele Vorteile und ist vielseitig anwendbar. So können beispielsweise Proteininteraktionen in heterogenen Proteinkomplexen oder auch im intakten Zellverband identifiziert werden. Diese Informationen sind mit den traditionellen Strukturmethoden nur schwer zu gewinnen. Leider werden die Massenspektrometrie und die Möglichkeiten, die sie bietet, immer noch unterschätzt.