Prof. Dr. Tanja Schirmeister ist Professorin für Pharmazeutische/ Medizinische Chemie an der JGU und derzeit Dekanin des Fachbereichs Chemie, Pharmazie, Geographie und Geowissenschaften. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit chemisch reaktiven Hemmstoffen. Solche Hemmstoffe fanden in der Entwicklung eines antiviralen Medikamentes zur Behandlung von COVID-19-Patient:innen Anwendung, welche schwere Krankheits- und Todesfälle bei Risikopatient:innen verhindern kann. In ihrem Privatleben spielen Gartenzwerge und Modelleisenbahnen eine wichtige Rolle.

Geboren 1963 in Freiburg im Breisgau

Hallo, ich bin Tanja Schirmeister – ich bin seit 2011 Professorin an der JGU und derzeit auch Dekanin des Fachbereichs Chemie, Pharmazie, Geographie und Geowissenschaften. Vorher war ich 11 Jahre an der Uni Würzburg tätig. Studiert, promoviert und habilitiert habe ich in Freiburg. Ich habe zwei Kinder sowie zwei kleine Enkelkinder, mit denen ich sehr gerne viel Zeit verbringe.

Ich besitze Gartenzwerge, Kuckucksuhren, Schwibbögen und anderen Kitsch, den man nicht braucht. Außerdem haben wir große Sammlungen an Eisenbahnen und ich träume davon, eine große Anlage zusammen mit meinem Mann endlich fertig zu bauen.


Hier geht es zu einem spannenden Webinar mit dem Titel „Story of Covalent Inhibition of Rhodesain, a Key Player in African Sleeping Sickness.

  • 1982 Abitur
  • 1987 Hochschulabschluss
  • 1988 Approbation
  • 1993 Promotion
  • 1999 Habilitation
  • Konferenz in Brasilien und die sich daraus ergebenen wunderbaren Freundschaften sowie Kooperationen mit brasilianischen Arbeitskreisen.
  • Unterstützung von Mentoringprogrammen
  • Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft e.V. und Gesellschaft Deutscher Chemiker
  • Deutsch
  • Englisch
  • Französisch (halbwegs)
  • Klingonisch (ein paar Brocken)

Für eine Studie, bei der die Inhaltsstoffe des Knoblauchs auf ihre Protease-hemmenden Eigenschaften untersucht werden sollten, synthetisierte ein Diplomand die Substanzen und deren Abkömmlinge. Dabei kamen sehr interessante Ergebnisse heraus. Den armen Diplomanden habe ich aber vor Besprechungen immer zuerst gerochen, bevor ich ihn gesehen habe.

Nach dem Studium, 25 Jahre alt und mit zwei Kindern im Gepäck wollte ich nicht direkt in einer Apotheke arbeiten, sondern nochmal ein wenig Laborluft schnuppern. Die größte Hürde war, überhaupt eine Stelle als Doktorandin zu finden, da die meisten Profs die familiäre Situation als Hindernis ansahen. Die Kinderbetreuung zur damaligen Zeit war nicht gut, hier hatte ich die größte Unterstützung durch meinen Mann und meine Mutter. Schwierig wurde es dann nochmal, als mein Mann verstarb, die Kinder noch in der Ausbildung waren und ich noch zwischen Freiburg und Würzburg pendeln musste.

Ich wollte eine Naturwissenschaft studieren, ohne konkrete Berufsziele und habe dabei nicht gezielt auf eine Karriere hingearbeitet. Ich bin in die Wissenschaft eher reingestolpert und habe die Möglichkeiten genutzt, die sich mir geboten haben.

Im Staatsexamen in Pharmazeutischer Chemie hatte ich eine 4, es war nicht mein bestes Fach. Mein Doktorvater wurde dann tatsächlich der Prof, bei dem ich auch die 4 im Staatsexamen hatte. Er war der Einzige, der mich trotz zwei Kindern zur Promotion angenommen hat, wofür ich ihm sehr dankbar bin. So bin ich zur Medizinisch/ Pharmazeutischen Chemie gekommen. In der Promotionsprüfung bin ich dann nochmal richtig eingetütet worden. Am Schluss hätte ich nicht mal mehr meinen Namen gewusst. Aber da muss man durch, die eigenen Fehler einsehen und es dann besser machen.

Meine Highlights sind die Doktorand:innen, die neue Ideen, die ich selbst nicht auf dem Schirm hatte, erfolgreich in die Tat umgesetzt haben. Toll finde ich unsere Zusammenarbeit mit den Quantenchemiker:innen, die uns detailliert und tatsächlich auf atomarer Ebene berechnen können, wie die chemischen Reaktionen unserer Hemmstoffe im Enzym ablaufen.

Das Schönste ist die Zusammenarbeit mit meiner Arbeitsgruppe. Es ist toll, wie die Mitarbeiter:innen sich reinhängen und ich freue mich darüber, wie sie sich im Laufe der Jahre entwickeln. Viel Spaß macht mir die Lehre. Ich versuche das Fach nicht nur aus einem Blickwinkel zu vermitteln, sondern größere Zusammenhänge darzustellen, was angesichts der Stofffülle sicher nicht immer gelingt. Zum Arbeitsalltag gehört sehr viel Administration (leider), Anträge, Publikationen, Gutachten schreiben.

Mich freut besonders, dass unser Konzept, das wir seit 25 Jahren verfolgen, kovalente, d.h. chemisch reaktive Hemmstoffe zu entwickeln, zwischenzeitlich auch in der Pharmaindustrie umgesetzt wird. Das war lange Jahre nicht der Fall. Solche Hemmstoffe wurden über viele Jahre aus allen Arzneistoffentwicklungen rausgeschmissen und man hat für die Forschung an solchen Hemmstoffen einige Kritik erfahren. Ein Hemmstoff, der ein Eiweiß-spaltendes Enzym des SARS-CoV2 inhibiert (entwickelt von Pfizer, Paxlovid®) und ebenfalls auf diesem Konzept beruht, wurde gerade von der Europäische Zulassungsbehörde EMA zugelassen. Das ist eine schöne Bestätigung unseres Ansatzes.

Die größte Herausforderung für Frauen und auch viele Männer ist es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen und allen/allem gerecht zu werden – ganz unabhängig davon, ob man in der Wissenschaft oder einem anderen Beruf tätig ist. Ein Vorteil in der Wissenschaft ist, dass man sich die Zeit manchmal einteilen kann. Der den meisten Wissenschaftler:innen wahrscheinlich inhärente Hang zur Selbstausbeutung ist da natürlich hinderlich und die Luft nach oben wird in der Akademie nun mal dünner. Ich raten allen, die sich für eine Karriere in der akademischen Wissenschaft interessieren, diese tatsächlich gut zu planen und alle Hilfe in Anspruch zu nehmen, z.B. in Form von Mentoring, Kursen, etc…

Da sitze ich hoffentlich gesund und munter auf der Terrasse, schaue in die Berge und um mich herum hüpfen meine Enkelkinder. Außerdem habe ich dann noch zwei Übungsbücher zur Stereochemie und Nomenklatur in der organischen Chemie geschrieben, die ich unbedingt noch fertigstellen will.